Tauchen Lernen ab 50

Ist Tauchen lernen ab 50 nicht zu gefährlich?

bottlenose dolphin 58393 640Ein Artikel von Sabine

Schon als Kind hatte ich den Traum vom Tauchen, Flipper war meine Lieblingssendung. Aber irgendwie hat es nicht geklappt, mal war kein Geld da, dann vielleicht eine subtile Angst, dann keine Zeit und dann war ich mittlerweile über 50. Ist Tauchen dann nicht zu gefährlich?

Mit 54 Urlaub auf Madeira, Zeit und Geld und Tauchbasis direkt am Hotel—gefühlt die letzte Chance—Schnuppertauchen! Zum ersten Mal konnte ich, die Schnorchlerin, unten sein und bleiben, ein berauschendes Erlebnis! Sofort den Tauchkurs gebucht, und dann gings mit der Büffelei der Theorie los. Und dem praktischen Üben, das kräftezehrende Reinzwängen ins Neopren, und wie die ganze Ausrüstung zusammengebaut wird. Ja doch, der Weg von der Tauchbasis bis zum Wasser mit der schweren Ausrüstung war mühsam, aber das Tauchen ein Traum! Aber noch nicht so wirklich entspannt, alles zu neu, ungewohnt, und ich musste ja vieles lernen. Ich hatte nun den Open Water Diver, aber so richtig sicher fühlte ich mich nach 6 Tauchgängen wahrhaftig nicht. Trotzdem ich war wirklich erfüllt und selig nun doch angefangen zu haben.

Zurück in Kiel habe ich gleich nach Tauchvereinen gegoogelt und fand den TSG Submarin attraktiv, weil der ein Vereinheim am Strand in Falkenstein hat. Im Oktober 2012 begann ich mit dem Training in der Uni-Schwimmhalle. Meistens von Matthias angeleitet trainierten wir unsere Ausdauer, Wassersicherheit, vernünftiges Schwimmen. Mit teilweisen lustigen Übungen verbesserten wir unsere Apnoefähigkeit. Besonders toll, dass Leute auf verschiedenen Leistungsniveaus gut miteinander trainieren können. Also alt kam ich mir da nicht vor.

Ab Januar begann das Gerätetraining in der Halle, zum Teil mit Ausrüstung vom Verein. Da nicht kommerziell hatte ich wirklich alle Zeit der Welt mich in aller Ruhe mit der Ausrüstung zu beschäftigen und dabei superkompetente individuelle Anleitung, mal von Anne dann von Hein oder Mattthias. Echt entspannt in der Halle das Tarieren zu üben die verschiedenen wichtigen Handgriffe und Bewegungsabläufe wie das Wechselatmen, Oktopusnutzung, Drehungen und Wendungen mit dem Gerät auf dem Rücken.

Zwischendurch die tauchsportärztliche Untersuchung mit Belastungs-EKG, Lungenfunktionstest und Laboruntersuchungen. Gottlob alles ok. Grünes Licht.
Nach Ostern ging es dann in die Ostsee—ok, das war schon gewöhnungsbedürftig. Nach den klaren Verhältnissen im Pool jetzt deutlich geringere Sicht, mit dem ganzen Gerödel über den Strand watscheln und wirklich nach unten ins Dunkle. Aber das war ja gar nicht schwer, weil es soviel erfahrene Taucher gab, die mich gerne als Buddy mitnahmen. Ich fühlte mich immer in sicheren Händen. Und wurde selber immer sicherer. Allmählich kaufte ich mir eine Ausrüstung zusammen, und damit kam dann auch wieder mehr Sicherheit. Am Anfang war ich noch sehr tüddelig und langsam bis ich alles angerödelt hatte, aber meine Begleiter hatten eine nachsichtige Engelsgeduld mit mir. Mittlerweile läuft das alles schon ziemlich routiniert.

Die erste kleine Tauchreise mit Vereinsmitgliedern nach Middelfart in Dänemark brachte die Erfahrung von Strömungstauchgängen mit sich. Dank des Hallentrainings war ich fit genug auch das gut hinzukriegen. Und dann die erste Reise in tropische Gewässer, die mexikanischen Karibik. Es war so unglaublich schön, nach dem Tauchen in der Ostsee war das einfach wie ein Spaziergang, völlig entspanntes Schweben in klarstem Wasser mit herrlichen Fischen und Korallen. Mein Kindheitstraum wurde wahr.

Mittlerweile bin ich 57 Jahre alt, habe 140 Tauchgänge hinter mir und lerne immer weiter, treffe nette Leute und habe ein tolles Hobby, mit dem man den Alltag sowas von gründlich hinter sich lassen kann: Abtauchen im wahrsten Sinne des Wortes!